Schmidts Midnight Special
Heute erscheint mir fast jede Stadt wie die andere. Die gleichen Gesichter, die gleichen Läden, die gleichen Kneipe-Bistro-Café-Kombinationen mit den witzigen Namen. Man sucht Authenzität und findet doch nur das Immergleiche. Den letzten Zug hatte ich schon verpasst.
Wenn sich eine liebgewonnene Stadt so verändert hat wie diese hier, sollte man nicht versuchen, ohne Stadtplan, nur auf den Spuren der Erinnerung, einen Ort zu finden. Wahrscheinlich wohnt sie sowieso nicht mehr hier. Vielleicht ist es auch besser, daß ich sie nicht gefunden habe.
Der Schuppen, in dem wir früher saßen und den Klängen einer zweitklassigen Jazzband lauschten, ist jetzt eine Espressobar mit 23 Sorten Café. Aber womöglich war das auch ein ganz anderer Laden. Acht Kneipen hatte ich heute schon aufgesucht - das Restaurant, in dem ich gegessen hatte, nicht mitgezählt. Aber das Feeling von früher war nicht mehr da. Einen wollte ich noch nehmen, einen letzten. Eine Chance wollte ich ihr noch geben, dieser Stadt.
Es war nur ein leises Kitzeln in meinem Ohr, der leichte Hauch eines vertrauten Klanges, flüchtig, der sich über die Gehwegplatten zu mir herüberschlengelte und mich zu einer Tür unter einem bereits erloschenem Neonschild führte.
Abgeschlossen war noch nicht. Die Klänge der Jazzband wurden lauter, als ich über die Schwelle trat. Auf die Tische gestellte Stühle waren die einzigen Zuhöhrer neben dem Wirt, der schon dabei war, seine Kasse durchzuzählen. Die Jungs auf der Bühne spielten nur für sich selbst, ignorierten einfach, daß man in dieser Stadt offensichtlich früh zu Bett ging.
"Feierabend", rief der Kerl hinterm Tresen. "Nur einen letzten noch" sagte ich. Er blickte mir kurz in die Augen und nickte. Ich setzte mich mit dem Rücken zur Bühne ans die Bar und zündete mir mit dem Rest Tabak aus meiner Dose eine letzte Pfeiffe an.
"Was darf's denn sein ?"
"Einen Midnight Special !"
Das Schmidts - Bar - Mobil!
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